Ich bin mit Opern im Theater aufgewachsen. Mein Vater ist leidenschaftlicher Musiker und deshalb wurde ich schon immer nicht nur mit Lebensmittel, sondern auch mit Musik ernährt. Das ist auch der Grund, warum ich am 21. März mit Elan dem Frühlingskonzert Concerto Primavera im Theater Gian Giacomo Arrigoni von San Vito al Tagliamento beiwohnte. Auf der Bühne einige brillante Schüler des Konservatoriums C. Pollini von Padua. Die Philharmonie von San Vito organisierte zum zweiten Mal in zwei Jahren dieses Event in einem lokalen Juwel, nämlich dem Teatro Sociale. Die Restaurierung verhalf dem schon im 17. Jahrhundert urkundlich erwähnten Theater wieder zu seiner alten Pracht und Funktion zurück. Die Beleuchtung von San Vito al Tagliamento schafft am Abend zwischen Laubengängen, Laternen und mittelalterlichen Ecken Suggestionen. Sie mit der Seele zu genießen, kam einem affektbetonten Auskosten des heutigen Kontexts und dem Valorisieren aller visuellen, taktilen und emotiven Elemente gleich.

Der venezianische Terrazzo-Mosaikboden im Erdgeschoss des Theaters stellt das Symbol der Stadt dar, einen Pagen, der mit seinem gesenkten Schwert das ummauerte Städtchen stützt. Eine Figur, eine Geschichte. Während wir in die erste Etage gehen informiere ich Sie, dass Giovanni Giacomo Arrigoni (1597 – 1675) in San Vito geboren wurde und aktiv am öffentlichen Leben teilnahm. Er war Komponist und Organist. Auch mein Vater war Orgelspieler und hier in der Gegend gibt es viele interessante Orgeln aus dem 16. und 19. Jahrhundert. Aber darüber wird es eine andere Geschichte geben. Vom Musiker Arrigoni ist als einzige Spur theatralischer Repräsentation die Leopold I. gewidmete „Gli amori di Alessandro Magno e Rosane“ in der Nationalbibliothek Wien geblieben.

Auch im ersten Stock finden wir einen venezianischen Terrazzo-Boden mit Einlagen. Wohlgesonnen das bukolische Füllhorn in der Nähe des Klaviers. Für manche ist Marmor kalt, ich finde ihn ein großartiges Kunstwerk geschickter Handwerker, eine Mosaikmalerei. Wer mich führt, lenkt meine Aufmerksamkeit auf die bleiverglasten Fenster aus mundgeblasenen Glasscheiben. Jedes Detail ist gut einstudiert. Der venezianisch eingerichtete Theatersaal mit den karminroten samtbezogenen Sesseln, zwei Rängen, dem Parkett und seinem jetzigen Holzboden ist nicht sehr groß. Wie schon als Kind saß ich an jenem Abend in einer Loge mit drei Plätzen vor der Bühne. Ich streichelte den Samt und stellte mir mich selbst in Sissi-Gewändern vor.

Meine Augen genossen das gedämpfte Licht der Wandleuchten, die abwechselnden Tier- und Pflanzendekorationen. Ich lächele wieder. Vor vielen Jahren dachte ich, der Wiedehopf sei ein archaischer Vogel, nachdem ich ihn aber vor kurzem am Tagliamento gesehen habe, weiß ich, dass dem nicht so ist. Dann Dunkelheit und Stille.
Die Scheinwerfer richten sich auf die Szene. Die Musik dieser jungen Talente scheint immer intensiver zu werden. Der Junge, der im abschließenden Foto rechts steht, ist gerade mal 17 Jahre alt. Wir sind alle hingerissen. Schön die erste Serenade in Es-Dur für 13 Blasinstrumente op. 7 von R. Strauss; erzählerischer, mitreißender die Serenade Nr. 10 in B-Dur Gran Partita, K 361 von W. A. Mozart. Und schließlich Applaus für die Gruppe, die sich mit dem Meister Luca Lucchetta einem Foto stellte.
Interessierten steht das Theater nach Voranmeldung jeden Tag zur Besichtigung offen.
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Daniele Tarticchio
Ariella Colavizza